3 Februar 2026
Gewerbe und Industrie, Nager und Marder
In der betrieblichen Nagerbekämpfung sind Giftköder noch immer weit verbreitet. Doch während sie lange als einfache und effiziente Lösung galten, geraten sie aufgrund ihrer negativen Auswirkungen auf Umwelt und Ökosysteme zunehmend in die Kritik.
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Giftköder kommen vor allem dort zum Einsatz, wo ein Mäuse- oder Rattenbefall bereits ein grösseres Ausmass angenommen hat oder wo weitläufige, schwer zugängliche Gebäude vorhanden sind. Typische Einsatzbereiche sind Industrieanlagen, Fabriken, landwirtschaftliche Betriebe, Logistikzentren sowie grosse Gewerbe- und Verwaltungsgebäude.
Im privaten Bereich werden Giftköder kaum eingesetzt, weder von Privatpersonen noch von Schädlingsbekämpfungsunternehmen.
Zahlreiche Studien belegen die negativen Auswirkungen von Rodentiziden auf die Umwelt. Der Einsatz von Giftködern führt zu einer chronischen Belastung von Süsswasserökosystemen, insbesondere über Abwassersysteme, was erhebliche Risiken für die Gesundheit von Mensch und Tier mit sich bringen kann (Kotthoff et al., 2019; Regnery et al., 2019).
Zudem zeigen zahlreiche Untersuchungen eine weit verbreitete Sekundärvergiftung von Raubtieren und Greifvögeln durch Antikoagulanzien (Buckley et al., 2024; Cooke et al., 2023; Keating et al., 2024;), selbst in Regionen, in denen regulatorische Korrekturmassnahmen eingeführt wurden (George et al., 2024).
Auch in der Schweiz wurde nachgewiesen, dass sich Antikoagulanzien in der Umwelt und entlang der Nahrungskette anreichern. Wirkstoffe wurden unter anderem in Wildtieren wie Füchsen, Greifvögeln, Igeln und weiteren Nichtzielorganismen nachgewiesen (Riegraf et al., 2022).
Fakt ist: Rodentizide stellen ein erhebliches Risiko für Umwelt und Biodiversität dar, selbst dann, wenn sie gemäss geltenden Vorschriften eingesetzt werden.
Aufgrund dieser erheblichen negativen Auswirkungen von Rodentiziden auf die Umwelt ist es kein Wunder, dass diese auch politisch sehr kritisch gesehen werden. In der Schweiz ist der Einsatz von Rodentiziden mit Antikoagulanzien für Privatpersonen seit dem 1. April 2025 verboten (Abverkaufsfrist bis 1. April 2027). Für professionelle AnwenderInnen bleibt der Einsatz weiterhin erlaubt, jedoch nur unter klar definierten Voraussetzungen.
Auch in anderen Ländern werden strengere Vorgaben diskutiert. In Deutschland plant die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), die bisher übliche befallsunabhängige Dauerbeköderung einzuschränken. Giftköder sollen künftig nur noch bei nachgewiesenem Befall und für begrenzte Zeit eingesetzt werden. Ein Inkrafttreten wird voraussichtlich ab Sommer 2026 diskutiert.
Auf EU-Ebene verfolgt die Europäische Union im Rahmen des Green Deal und der Farm-to-Fork-Strategie das Ziel, die Umweltbelastung durch Pestizide deutlich zu reduzieren. Bis 2030 soll der Einsatz chemischer Pestizide um 50 % gesenkt werden. Auch wenn Rodentizide nicht explizit im Fokus einzelner Massnahmen stehen, setzt die EU verstärkt auf Integrated Pest Management (IPM), Prävention sowie nicht-chemische Alternativen.
Diese Regelungen betreffen die Schweiz zwar nicht direkt, doch orientiert sich die Schweizer Gesetzgebung in Umwelt- und Chemikalienfragen häufig an Entwicklungen auf EU-Ebene. Sie zeigen daher deutlich, in welche Richtung sich der Einsatz mit Rodentiziden langfristig entwickelt.
Über viele Jahre galten Giftköder als effiziente Lösung in der Mäuse- und Rattenbekämpfung. Heute zeigt sich jedoch immer deutlicher, dass dieser Ansatz mit hohen ökologischen Kosten verbunden ist. Wissenschaftliche Studien belegen eine anhaltende Belastung von Gewässern, die Anreicherung von Wirkstoffen in der Nahrungskette sowie eine weit verbreitete Sekundärvergiftung von Raubtieren und Greifvögeln.
Diese Erkenntnisse spiegeln sich zunehmend auch in der politischen Entwicklung wider. Nationale Verbote, verschärfte Anwendungsvorschriften und die strategische Neuausrichtung auf EU-Ebene machen deutlich, dass der Einsatz von Rodentiziden politisch immer stärker eingeschränkt wird. Auch in der Schweiz ist absehbar, dass sich der Handlungsspielraum für Giftköder weiter verengen wird.
Die Zukunft der Nagerbekämpfung liegt daher nicht im Einsatz von Giftködern, sondern in durchdachten Konzepten. Prävention, bauliche Abdichtung, Hygiene, Monitoring und gezielte, giftfreie Massnahmen werden künftig an Bedeutung gewinnen.