24 Februar 2026

Gewerbe und Industrie, Nager und Marder

Giftköder vermehrt unter Druck

In der professionellen Nagerbekämpfung sind Giftköder noch immer weit verbreitet. Doch während sie lange als einfache und effiziente Lösung galten, geraten sie aufgrund ihrer negativen Auswirkungen auf Umwelt und Ökosysteme zunehmend in die Kritik.

Ein Kübel voller Rodentiziden ist zu sehen. Dabei hebt eine Hand in Handschuhen einige davon aus dem Kübel.

Was sind Giftköder und wo werden sie eingesetzt?

Bei Giftködern zur Bekämpfung von Mäusen und Ratten handelt es sich um sogenannte Rodentizide. Die meisten dieser Wirkstoffe gehören zur Gruppe der Antikoagulanzien, welche die Blutgerinnung hemmen. Bei den Nagern führen sie zu inneren Blutungen, was schlussendlich zum Tod führt.

Eine Hausratte sitzt auf einem Holzpodest

Giftköder kommen vor allem dort zum Einsatz, wo ein Mäuse- oder Rattenbefall bereits ein grösseres Ausmass angenommen hat oder wo weitläufige, schwer zugängliche Gebäude vorhanden sind. Typische Einsatzbereiche sind Industrieanlagen, Fabriken, landwirtschaftliche Betriebe, Logistikzentren sowie grosse Gewerbe- und Verwaltungsgebäude.

Rodentizide als Gefahr für die Umwelt

Zahlreiche Studien belegen die negativen Auswirkungen von Rodentiziden auf die Umwelt. Der Einsatz von Giftködern führt zu einer chronischen Belastung von Süsswasserökosystemen, insbesondere über Abwassersysteme, was erhebliche Risiken für die Gesundheit von Mensch und Tier mit sich bringen kann (Kotthoff et al., 2019; Regnery et al., 2019).

Eine tote Eule liegt auf einer Wiese. Diese wurde Opfer von Sekundärvergiftungen durch Rodentizide mit Antikoagulanzien.

Zudem zeigen zahlreiche Untersuchungen eine weit verbreitete Sekundärvergiftung von Raubtieren und Greifvögeln durch Antikoagulanzien (Buckley et al., 2024; Cooke et al., 2023; Keating et al., 2024), selbst in Regionen, in denen regulatorische Korrekturmassnahmen eingeführt wurden (George et al., 2024).

Auch in der Schweiz wurde nachgewiesen, dass sich Antikoagulanzien in der Umwelt und entlang der Nahrungskette anreichern. Wirkstoffe wurden unter anderem in Wildtieren wie Füchsen, Greifvögeln, Igeln und weiteren Nichtzielorganismen nachgewiesen (Riegraf et al., 2022).

Fakt ist: Rodentizide stellen ein Risiko für Umwelt und Biodiversität dar, selbst dann, wenn sie gemäss geltenden Vorschriften eingesetzt werden.

Rechtliche Situation

Aufgrund dieser erheblichen negativen Auswirkungen von Rodentiziden auf die Umwelt werden Giftköder auch politisch kritisch betrachtet. In der Schweiz ist der Einsatz von Rodentiziden mit Antikoagulanzien für Privatpersonen seit dem 1. April 2025 verboten (Abverkaufsfrist bis 1. April 2027). Für professionelle AnwenderInnen bleibt der Einsatz weiterhin erlaubt, jedoch nur unter klar definierten Voraussetzungen.

Das Schweizer Bundeshaus ist zu sehen, dass durch die Abendsonne erleuchtet wird. Zudem ist blauer Himmel im Hintergrund zu sehen.

Auch in anderen Ländern werden strengere Vorgaben diskutiert. In Deutschland plant die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), die bisher übliche befallsunabhängige Dauerbeköderung einzuschränken. Giftköder sollen künftig nur noch bei nachgewiesenem Befall und für begrenzte Zeit eingesetzt werden. Ein Inkrafttreten wird voraussichtlich ab Sommer 2026 diskutiert.

Auf EU-Ebene verfolgt die Europäische Union im Rahmen des Green Deal und der Farm-to-Fork-Strategie das Ziel, die Umweltbelastung durch Pestizide deutlich zu reduzieren. Bis 2030 soll der Einsatz chemischer Pestizide um 50 % gesenkt werden. Auch wenn Rodentizide nicht explizit im Fokus einzelner Massnahmen stehen, setzt die EU verstärkt auf Integrated Pest Management (IPM), Prävention sowie nicht-chemische Alternativen.

Diese Regelungen betreffen die Schweiz zwar nicht direkt, doch orientiert sich die Schweizer Gesetzgebung in Umwelt- und Chemikalienfragen häufig an Entwicklungen auf EU-Ebene. Sie zeigen daher deutlich, in welche Richtung sich der Einsatz mit Rodentiziden langfristig entwickelt.

Wieso werden Giftköder weiterhin eingesetzt?

Trotz der bekannten ökologischen Risiken und regulatorischen Einschränkungen sind Rodentizide in der professionellen Schädlingsbekämpfung weiterhin ein wichtiger Bestandteil. Ihre hohe Wirksamkeit zeigt sich insbesondere bei starkem Befall, in komplexen Gebäudestrukturen oder bei schwer zugänglichen Nist- und Laufwegen.

Auf dem Bild ist eine Rattenbox zu sehen, in der sich ein Köder mit Rodentizide befindet. Die Köderbox befindet sich an einer Aussenwand eines Gebäudes im Freien.

In solchen Situationen kann es herausfordernd sein, ein Nagerproblem ausschliesslich mit mechanischen Schlagfallen oder baulichen Massnahmen wirksam zu kontrollieren.

Zudem existiert derzeit kein Verfahren, das Rodentizide in allen Einsatzszenarien vollständig ersetzen kann. Schlagfallen können eine sehr effektive Alternative darstellen, setzen jedoch eine engmaschige Kontrolle und gute Zugänglichkeit voraus. Bauliche Massnahmen und Hygienekonzepte wirken vor allem präventiv und stossen bei akutem Befall an ihre Grenzen.

Aus diesen Gründen werden Giftköder im professionellen Umfeld gezielt und risikominimiert im Rahmen eines integrierten Schädlingsmanagements (IPM) eingesetzt. Ziel ist es, chemische Massnahmen zu minimieren und sie verantwortungsvoll und situationsabhängig mit mechanischen sowie organisatorischen Massnahmen zu kombinieren und, wenn möglich, zu ersetzen.

Fazit

Giftköder bleiben ein wirksames Mittel in der professionellen Nagerbekämpfung. Gleichzeitig steigen die Anforderungen in Bezug auf Umweltverantwortung und regulatorische Vorgaben. Wissenschaftliche Erkenntnisse und politische Entwicklungen machen deutlich, dass ihr Einsatz sorgfältig geprüft und verantwortungsvoll gestaltet werden muss.

Ein vollständig alternatives Verfahren zu Rodentiziden existiert derzeit nicht. Entscheidend ist daher ein situationsabhängiger Einsatz im Rahmen eines integrierten Schädlingsmanagements. Vor dem Hintergrund zunehmender regulatorischer Einschränkungen werden intelligente Schlagfallensysteme, digitale Monitoringlösungen und chemiefreie Alternativen künftig eine noch wichtigere Rolle spielen.

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