23 April 2026
Fluginsekten
Durch ihre auffällige Grösse und das tiefe Brummen wirken Hornissen auf viele Menschen bedrohlich und werden oft fälschlicherweise als aggressiv oder gefährlich angesehen. Tatsächlich sind sie jedoch deutlich friedlicher, als ihr Ruf vermuten lässt, und spielen eine wichtige Rolle im natürlichen Gleichgewicht.
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Hornissen (Vespa crabro) sind die grössten heimischen Wespenarten und gehören zu den sozialen Faltenwespen. Arbeiterinnen werden etwa 1,8 bis 2,5 cm gross, Königinnen erreichen bis zu 3,5 cm. Typische Merkmale sind der rötliche Kopf- und Brustbereich sowie der gelb-schwarz gestreifte Hinterleib.
Im Frühling gründet eine Königin ein Nest aus papierartigem Material, das sie aus Holzfasern und Speichel formt. Die ersten Arbeiterinnen übernehmen später Nestbau, Nahrungssuche und Larvenpflege, während sich die Königin ausschliesslich auf die Eiablage konzentriert.
Im Verlauf des Sommers wächst das Volk auf mehrere Hundert Tiere an. Gegen Ende der Saison schlüpfen neue Jungköniginnen, die als einzige den Winter überleben, um im nächsten Jahr eigene Nester zu gründen.
Hornissen leben in lichten Wäldern, Gärten oder Wiesen und nutzen auch geschützte Orte wie Dachvorsprünge oder Schuppen als Nistplätze. Erwachsene Tiere ernähren sich von Nektar und Obst, während sie für die Larven proteinreiche Insekten jagen.
Trotz ihres eindrücklichen Auftretens sind Hornissen kaum schädlich. Im Gegensatz zu Wespen interessieren sie sich nicht für Lebensmittel und treten deshalb auch im Alltag oder bei Essen und Getränken im Freien kaum störend auf. Auch an Pflanzen oder Obst richten sie keine nennenswerten Schäden an.
Im Gegenteil: Hornissen leisten einen wichtigen Beitrag zur natürlichen Regulierung von Insektenpopulationen. Ein grosses Volk kann im Verlauf eines Sommers bis zu 500 Gramm Insekten fangen, darunter Fliegen, Mücken, Raupen und andere Wespenarten. Hornissen im Garten gelten daher oft als Hinweis auf ein stabiles, funktionierendes Ökosystem.
Hornissen sind zudem dämmerungsaktiv, wodurch sie seltener mit Menschen im Freien in Kontakt kommen als bspw. Wespen. Durch künstliche Lichtquellen können sie jedoch in den Abendstunden vereinzelt in Gebäude gelangen. Dies stellt in der Regel kein Risiko dar. Das Reduzieren unnötiger Lichtquellen kann helfen, solche Situationen zu vermeiden.
Hornissenstiche sind zwar schmerzhaft, aber nicht gefährlicher als Bienen- oder Wespenstiche. Der Mythos, dass bereits wenige Stiche für einen Menschen tödlich sein können, stimmt nicht.
Typische Reaktionen sind lokale Schwellungen und Rötungen, die normalerweise nach wenigen Tagen abklingen. Kühlung und einfache Hausmittel wie Zwiebelscheiben oder Arnikatinktur können die Beschwerden lindern.
Hornissen sind friedliche Tiere und stechen grundsätzlich nur, wenn sie sich oder ihr Nest bedroht fühlen. Ausserhalb der Nestumgebung verhalten sie sich zurückhaltend und meiden Auseinandersetzungen. Ein Stich passiert meist nur, wenn eine Hornisse gequetscht oder festgehalten wird.
Im Umfeld ihres Nestes reagieren sie sensibler. In einem Abstand von etwa drei bis vier Metern kann es zu Verteidigungsverhalten kommen, insbesondere wenn das Nest wiederholt gestört wird.
Ein Stich verläuft häufig ohne schwerwiegende Folgen, kann jedoch je nach Situation ernsthafte Reaktionen auslösen. Besonders bei Stichen im Gesichts-, Mund- oder Halsbereich oder bei AllergikerInnen. In solchen Fällen sollte umgehend ärztlicher Rat eingeholt werden.
Neben der Europäischen Hornisse ist in der Schweiz inzwischen auch die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) verbreitet. Sie unterscheidet sich optisch deutlich von der heimischen Art: Der Brustbereich ist insgesamt dunkler, der Hinterleib meist dunkelbraun mit gelben Endstreifen, und die Beine haben auffällig gelbliche Spitzen. Zudem ist sie etwas kleiner und zeigt einen typischen, schwebenden Flugstil.
Die Asiatische Hornisse ist eine invasive Art und kann vor allem für Honigbienen problematisch sein. Im Spätsommer und Herbst besteht ihre Beute teilweise zu 40 – 80 % aus Honigbienen. Sie jagt gezielt vor Bienenstöcken, was insbesondere kleinere oder geschwächte Bienenvölker ernsthaft gefährden kann. Für Menschen sind die Insekten nicht gefährlicher als heimische Hornissen.
Wer ein Tier oder ein Nest entdeckt, sollte den Fund unbedingt über die offizielle Meldeplattform melden: Asiatische Hornisse melden
Bei der Identifikation von Asiatischen Hornissen kann Ihnen dieses Merkblatt weiterhelfen (Quelle: bienen.ch).
Hornissen sind in den meisten Fällen unproblematische Insekten, mit denen ein Zusammenleben gut möglich ist. Da ihre Nester nur eine Saison bestehen und im Herbst von selbst verlassen werden, ist ein Eingreifen meist gar nicht notwendig.
Befindet sich ein Nest an einer ungünstigen Stelle, etwa im direkten Wohnbereich, in stark genutzten Bereichen rund ums Haus oder wenn sich allergische Personen in der Nähe aufhalten, sollte die Situation durch Fachpersonen beurteilt werden. Sie können einschätzen, ob Massnahmen notwendig sind und wie diese sicher umgesetzt werden können.